Anfängergeist und Routinen

Im Alltag kommen Achtsamkeit und das Erleben im Anfängergeist,

etwas mit allen Sinnen, unvoreingenommen und bewusst wahrzunehmen,
als ob wir es zum ersten Mal sehen oder machen würden,

oft zu kurz. Viele Handgriffe müssen einfach schnell und automatisch ablaufen um alle Anforderungen bewältigen zu können. Zugleich schränkt sich so unsere Wahrnehmung ein, denn in diesem Modus läuft vieles unbewusst – eben automatisch – ab.

Wir kennen das: Wenn wir uns überlegen, was wir auf der Fahrt ins Büro alles so gesehen haben, fällt uns kaum was ein. Eingestiegen – Ausgestiegen. Was dazwischen war, ist kaum noch abrufbar. Oder: Haben wir den Schlüssel eingepackt, den Herd abgeschalten, das Licht ausgemacht? Wir machen derlei Dinge im Routinemodus völlig unbewusst und können uns daran kaum erinnern. Meistens klappt das auch gut. Hin und wieder allerdings, gehen wir lieber nochmal zurück um zu schauen, ob wir daheim wirklich alles ausgeschalten haben. Manchmal kann es auch vorkommen, dass wir den Schlüssel im Kühlschrank finden und uns nicht erklären können, wie er da wohl reingekommen ist …

Je älter ich werde, desto schneller vergeht die Zeit. Weißt du warum?

Je älter wir werden, desto mehr Routinen haben wir entwickelt und desto weniger nehmen wir wahr. Das ist der Grund warum uns vorkommt, dass die Zeit immer schneller vergeht. Für ein Kind ist alles noch vom Anfängergeist geprägt, es hat noch keine oder kaum Routinen – sein Tag ist lang und mit bunten Eindrücken vollgepackt – erfüllt.

Je älter ein Mensch wird, desto größer wird der Routineanteil in seinem Alltag und bei den Bedauerlichsten gibt es nur noch Routinen. Das sind die Menschen, die versuchen ihr Leben irgendwie zu bewältigen und bei denen neben Arbeit und dem sich schon Grausen vor dem nächsten Tag, nicht wirklich viel Raum bleibt. Das muss aber nicht zwangsläufig so sein, wenn wir auf eine Balance zwischen Routinemodus und Anfängergeist achten.

Anfängergeist – Wie geht das?

Wenn ich gemeinsam mit meinem Kind (oder auch alleine) einen Apfel mit Anfängergeist esse,

ihn wasche /schäle, an ihm rieche, das Muster des Apfelgehäuses und das Wunder der Anordnung der kleinen Apfelkerne, die sich so passgenau anschmiegen betrachte, mir Zeit nehme um alle Geschmacksnuancen zu entdecken,

 ist das etwas völlig anderes, als den Apfel im IKEA-Apfelteiler zu portionieren und ihn schnell, schnell – und mit den Gedanken woanders – zu verputzen.

Kindheitserinnerungen – eine Pforte zur Achtsamkeit

Eine Möglichkeit um gut in den Anfängergeistmodus zu kommen, ist die Erinnerung an die eigene Kindheit:

Wie habe ich als Kind das Essen von Äpfeln in Erinnerung? Als ich den säuerlich-süßen Geschmack im Mund spürte, nebenbei mit den Apfelkernen spielte und das Lied der Apfelkerne summte:

In meinem kleinen Apfel,
da sieht es lustig aus:
es sind darin fünf Stübchen,
grad‘ wie in einem Haus.

In jedem Stübchen wohnen
zwei Kernchen schwarz und fein,
die liegen drin und träumen
vom lieben Sonnenschein.

Sie träumen auch noch weiter
gar einen schönen Traum,
wie sie einst werden hängen
am schönen Weihnachtsbaum.

… oder das essen von Melonen und Kirschen mit Kerne-Weitspucken (wenn keiner hingeschaut hat)?

Wie hat es sich angefühlt im Freibad ins Wasser zu springen, wenn wir das kühle Wasser auf unserer Haut gespürt haben, den Duft von Sonnencreme und Chlor in der Nase …?

Wie war es vom Spielen in der Badewanne – völlig verschrumpelt – von Mama abfrottiert zu werden und dabei genau zu spüren wie hart oder weich das Handtuch dabei war …?

Welche Erinnerungen habe ich an späte Rodelnachmittage, als es schon langsam dunkel wurde und ich mich komplett erfroren an der Tasse mit dem heißen Früchtetee wärmte, den süßen Duft in der Nase?

Kinder leben uns vor wie es geht

Eine weitere Hilfestellung geben uns unsere Kinder, statt sie zu drängen gewisse Handlungen schneller und besser zu machen, könnten wir uns etwas davon abschauen, wie sie mit allen Sinnen bei der Sache sind.

Natürlich gibt es auch Zeiten und Situationen, da muss es auch schnell gehen, weil wir morgens ins Büro müssen oder wir um 16 Uhr am Spielplatz mit Freunden ausgemacht haben. Aber seien wir ganz ehrlich: Das Drängen und Hetzen ist uns oft einfach schon zur Gewohnheit geworden und wir tun es auch wenn es keinen Grund dazu gibt.

Möglichkeiten nutzen

Nutzen wir doch jeden möglichen Moment der Achtsamkeit:

Für uns, denn das sind die Momente in denen wir Kraft fürs Leben tanken und
für unserer Kinder, damit sie später auch darauf zurückgreifen können

Auf die Balance kommt es an

Routinen sind wichtig um voranzukommen, Arbeiten schnell und unhinterfragt erledigen zu können
*es geht ums TUN*

Anfängergeist gibt dem Alltag Würze, erlaubt ein Erleben mit allen Sinnen, einzutauchen in Achtsamkeit
*es geht ums SEIN*

 

Veranstaltungsüberblick

Wenn ich gemeinsam mit meinem Kind (oder auch alleine) einen Apfel mit Anfängergeist esse, ihn wasche /schäle, an ihm…

Gepostet von Blickpunkt Erziehung am Freitag, 21. September 2018

Achtsamkeit im Familienalltag

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