Erschöpfter Blick auf die Uhr: 21:30 Uhr, das Kind schläft immer noch nicht. Das ganze Programm – angefangen beim liebevollen Vorlesen, über gespielte Gleichgültigkeit bis hin zum Betteln, Bitten, Drohen  ist durch – und morgen muss ich früh raus. Es ist zum Verzweifeln.

Feierliche Familiengeburtstagsfeier – Oma wird 65 – alle sind da, fein herausgeputzt. Ein Blick auf meine Tochter und das Gefühl in der Magengegend sagen mir unmissverständlich: Gleich ziehen sie auf, die dunklen Trotz-Gewitterwolken. Gleich geht’s los, dann verwandelt sich mein süßer Spross in ein blitzewerfendes Wutmonster. Vor versammelter Mannschaft. Juhu.

Manchmal ist der Familienalltag arg beschwerlich, besonders in den krisenhaften Phasen kann das Eltern ganz schön auslaugen. Dann hofft man, dass „die Phase“ bald vorüber ist. Doch eine Phase reiht sich an die nächste. Eben noch bin ich nächtelang und leichenblass mit dem „Drei-Monats-Kolik-Baby“ durch die Zimmer gegeistert, schon stehe ich mit meiner Zweijährigen mitten im Bilderbuch-Trotzanfall beim Ikea. Gut, dass ich noch nichts von der Sechsjahreskrise und der Vorpubertät gehört habe. Gut, dass ich noch nicht weiß, was mich in der Pubertät erwartet. Neulich habe ich einen Bericht über den häufig krisenhaften Übergang zwischen Schulabschluss und Berufsleben gelesen. Danach kommt die Midlifecrisis, gefolgt vom Pensionsschock. Besser also nicht warten bis „es“ vorbei ist …

… Leben in der Krise ist die Devise

… mit einem Lächeln im Gesicht und liebevoller Gelassenheit im Herzen. Hach, leicht gesagt – wenn es nur so einfach wäre.

Die meisten Eltern, die ich kenne, empfinden ihre Kinder als das Schönste und zugleich auch Anstrengendste in ihrem Leben. Auch wenn wir sie um nichts in der Welt missen möchten, und sie im Grunde auch nicht anders haben möchten: Gerade wenn es mal nicht so läuft, wie man das als Mama oder Papa gerne hätte, ist die Vorstellung von einem Werkzeugkoffer für den Familienalltag schon verlockend.

Wäre es nicht außerordentlich entspannend, wenn man immer den passenden Schraubenschlüssel bei der Hand hätte? Ganz egal ob es ums Trotzen, Beißen, Schlafen, Hauen, Teilen, Essen oder die ewigen Streitereien mit den Geschwistern geht: Den passenden Inbusschlüssel ansetzen – Schräubchen drehen – passt. Herrlich! Oder?

So ein pädagogischer Werkzeugkoffer wäre sicher eine Marktlücke? Das haben sich schon viele gedacht: Googeln Sie mal „Erziehungsratgeber“. Aktuell werden Sie über 180.000 (!) Ergebnisse erhalten, denn damit lässt sich – heute mehr denn je – gutes Geld machen. Unsere Eltern und Großeltern konnten noch nicht aus so einem Angebot schöpfen. Mussten sie auch nicht. Sie konnten ihre Eltern fragen, oft lebten sie sogar in einem Haushalt. Klar war da auch nicht immer eitel Sonnenschein und ich möchte auch nicht tauschen, aber Fakt ist: Wir leben heute ein ganz anderes Leben als die Generation vor uns. Von meinen Eltern habe ich vieles gelernt und auch als erwachsene Frau schaue ich mir immer noch gerne etwas von meiner Mutter ab, aber sie kann mir nichts über Medienkompetenz von Kindern oder Familienmanagement einer berufstätigen Mutter erzählen. Ganz einfach weil sie damit nie konfrontiert war.

Sich „umzuschauen“ und andere Perspektiven auszuprobieren ist sehr begrüßenswert, so können wir mit unseren Kindern mitwachsen. Das Problem ist nur, dass sich viele Ratgeber gegenseitig widersprechen. Und dass keiner ihre ganz persönliche Familiensituation so gut kennt wie Sie selbst. Wie kann Ihnen dann jemand seriöserweise einen Erziehungs-RatSCHLAG geben? Die Antwort ist so einfach wie ernüchternd: Gar nicht.

Was kann Ihnen Elternbildung dann überhaupt bieten? Wenn wir bei der Werkzeugsprache bleiben, dann bietet Ihnen gute Elternbildung im Wesentlichen zwei Werkzeuge: Eine Taschenlampe und einen Handspiegel. Mit der Taschenlampe beleuchten wir die Frage danach, warum sich unser Kind so verhält, wie es das tut. Der kanadische Bindungsforscher und Entwicklungspsychologe Gordon Neufeld betont:  Kinder wollen ihren Eltern gefallen. Sie machen uns – von Natur aus – nichts zu Fleiß. Alles andere wäre ja auch unklug von der Natur eingerichtet, geht es doch darum, dass Kinder gesund groß werden – warum sollten sie es sich dann genau mit den Menschen verspielen wollen, die für sie überlebenswichtig sind? Jedes „Problemverhalten“ hängt mit bestimmten Umständen zusammen und ist ein unbewusster Lösungsversuch des Kindes. Zugegeben, manchmal sind diese Lösungsversuche sehr kreativ 🙂

Dazu ist es von Vorteil zu wissen, was in bestimmten Entwicklungsphasen passiert und warum. Warum trotz mein Kind? Warum beißt mein Kind andere Kinder? Warum teilt mein Kind nicht? Warum zwickt mein kleiner Sohn seine Babyschwester? Warum macht mein Kind immer genau das, was ich ihm gerade verboten habe? Gute Elternbildungsangebote bringen an dieser Stelle Licht ins Dunkel, indem sie entwicklungspsychologische Vorgänge wissenschaftlich fundiert aber nachvollziehbar erklären. Wenn Eltern das Warum hinter dem Verhalten ihres Kindes verstehen, nimmt das oft schon enormen Leidensdruck aus dem gesamten Familienalltag.

Das zweite Werkzeug, der Handspiegel, ist hilfreich beim Herausfinden was ich als Erwachsener mache um das mich störende Verhalten meines Kindes am Laufen zu halten (und manchmal auch unbewusst auszulösen). Dazu gibt es eine Reihe an Erziehungsfallen in die wir alle schon getappt sind, oft ohne es zu bemerken und manchmal auch wissentlich – weil Eltern eben auch „nur Menschen“ sind – glücklicherweise 🙂

Zu diesem Thema biete ich Veranstaltungen an

 

Manchmal ist der Familienalltag arg beschwerlich, besonders in den krisenhaften Phasen kann das Eltern ganz schön…

Posted by Blickpunkt Erziehung on Donnerstag, 8. März 2018

Werkzeugkiste für den Familienalltag

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